Sonntag, 30. Juli 2017

Kaffeebud in Ehrenfeld {schön Kaffee in d'r Kopp}





Kaffee-Geschichte Nr. 1


Wann habe ich aufgehört, regelmäßig Cafés zu besuchen. 
Nach zu vielen Coffees to go müssen wieder Coffees to stay her. Und damit die Geschichten.
Wie letztens... als der Sommer eine kurze Pause machte, Regen in dicken Tropfen auf die Straße prasselte, die Kerzen auf dem Tisch brannten und Gummistiefel die saisonalen Birkenstock ablösten. Mit einem Buch saß ich in der Ecke neben dem Fenster. Endlich hatte ich es geschafft „Wer die Nachtigall stört...“ fertig zu lesen. Das Geschehen um mich herum verpasse ich allerdings auch bei der faszinierendsten Literatur nicht so schnell.
Was wohl die Menschen um mich herum ins Café getrieben haben, die ebenfalls alleine an ihren Tischen saßen. Neben mir der Herr saß in Sportklamotten vor seinem iPad und Kopfhörer in den Ohren. Er sah irgendwas mit Feuerwehautos und Noteinsätzen und war sehr versunken. Den Herrn in der von mir aus diagonalen Ecke schien ihn zu kennen, da sich der Herr in den Sportklamotten nach seiner Schorle von ihm verabschiedete. Der andere Herr in der Ecke trank genüsslich seinen Latte Macchiato und bemerkte dabei seinen Milchschaum-Bart nicht. Nach einem genervten Telefonat musste er schnell gehen, was wohl nicht sein ursprünglicher Plan war. Der Herr mir direkt gegenüber hatte sein halbes Büro aufgebaut. Daneben die Frühstücksplatte und nach seinem Kaffee bestellte er noch ein Ginger Beer. Was er wohl von diesem Café aus arbeitete? 

Vielleicht jonglierte er mit Millionen, schrieb Kündigungen, organisierte ein Spendenprojekt oder tippte ganz stupide Zahlen in eine Excel-Tabelle. Wir werden es nicht erfahren, aber habt ihr euch schon mal überlegt, dass ein Café nicht nur von Kaffee und Kuchen lebt, sondern von so viel mehr. Von Dean Lewis, der im Hintergrund aus den Lautsprechern läuft. Dass die Menschen dort ein Café ebenfalls prägen. Wer weiß, zu welcher Mannschaft der Herr in den Sportsachen ging oder welchen Stress der Herr mit dem Milchbart hatte.
Meinen Coldbrew aus Heiland Bohnen genoss ich, ebenfalls die anschließende Ingwer-Zitronen-Limo. Für Kuchen war kein Platz, aber der Herr in der Ecke sah damit sehr zufrieden aus. Manchmal muss man Glück haben, um einen Platz zu ergattern. Wenn die Sonne scheint, bietet sich der Platz auf der Bank auf dem Bürgersteig an. Da die Seitenstraße in Ehrenfeld ruhig gelegen ist, stören nicht mal mehr die Autos. Die Atmosphäre wirkt durch das Holz, die alten Kacheln und die Theke hinter dem Gastraum sehr entspannt. Ein ruhiger Ort, der je nach Tageslage alles andere als ruhig ist – aber ein Rückzugsort für Stimmungslagen wie „Wer die Nachtigall stört...“ oder einem Plausch mit Freunden perfekt ist.


Das Café: Kaffeebud Ehrenfeld
Meine Empfehlung: Coldbrew (geht immer), Milchkaffee und wenn vorhanden ein Croissant.
Plätze: ca. sechs Tische, aber man kann sich auch häufig dazu setzen, an der Bar oder draußen trinken.
Dran denken: Mittwochs ist Ruhetag

Warum ich die Kaffeebud so mag: Weil sie in einer Seitenstraße liegt und ein gezielter Anlaufpunkt ist. Wer schlendert, landet oft in einem anderen Café – hier geht man mit Plan hin.

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